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Körper und Anatomie

Zähne: Aufbau, Aufgaben und das Geheimnis des Zahnschmelzes

Zahnmodell im Querschnitt zeigt Schmelz, Dentin und Wurzel, zähne und ihr Aufbau anschaulich erklärt

Zweiunddreißig Stück besitzt ein Erwachsener im Idealfall, und die meisten denken an sie nur, wenn eine davon wehtut. Dabei sind Zähne kleine Wunderwerke: außen das härteste Material des ganzen Körpers, innen lebendig, durchblutet und schmerzempfindlich.

Wer versteht, wie ein Zahn gebaut ist und was ihn hält, versteht auch, warum Putzen mehr ist als Kosmetik. Dieser Artikel nimmt den Zahn auseinander, Schicht für Schicht.

Ein Zahn im Querschnitt

Was man im Spiegel sieht, ist nur die Krone, der kleinere Teil des Zahns. Darunter folgt der Zahnhals, und im Kiefer verborgen stecken die Wurzeln, je nach Zahn eine bis drei. Sie verankern den Zahn wie das Fundament ein Haus.

Die äußere Schicht der Krone ist der Zahnschmelz, darunter liegt das Dentin, das Zahnbein. Es ist weicher als Schmelz und von feinen Kanälchen durchzogen. Im Inneren sitzt die Pulpa, das Zahnmark, mit Nerven und Blutgefäßen. Das IQWiG zeigt in seinem Überblick zum Zahnhalteapparat, wie diese Schichten von der Krone bis zur Wurzelspitze zusammenhängen.

Vereinfacht gesagt: Der Schmelz ist die Rüstung, das Dentin das tragende Mauerwerk und die Pulpa die belebte Innenstadt mit Strom- und Wasseranschluss.

Fest verankert: der Zahnhalteapparat

Ein Zahn sitzt nicht starr im Knochen, sondern federnd aufgehängt. Zwischen Wurzel und Kieferknochen spannt sich ein Geflecht aus feinen Fasern, die Wurzelhaut, die jeden Kaudruck abfedert. Die Wurzel selbst ist von Zahnzement umhüllt, an dem diese Fasern ansetzen.

Obenauf schmiegt sich das Zahnfleisch um den Zahnhals und dichtet den Übergang ab. Zusammen bilden Knochen, Wurzelhaut, Zement und Zahnfleisch den Zahnhalteapparat. Er ist der Grund, warum ein gesunder Zahn minimal beweglich ist und warum Entzündungen in diesem Bereich so folgenreich sind: Lockert sich der Halt, wackelt irgendwann der ganze Zahn, so gesund seine Krone auch sein mag.

Jeder Zahn hat seinen Job

Die Zähne sind keine einheitliche Reihe, sondern ein Team mit Arbeitsteilung. Vorn sitzen die Schneidezähne mit ihrer scharfen Kante, gemacht zum Abbeißen. Daneben stehen die spitzen Eckzähne, die Nahrung festhalten und zerreißen.

Die kleinen Backenzähne dahinter zerkleinern vor, die großen Backenzähne ganz hinten mahlen die Nahrung fein, mit Höckern und Furchen wie ein Mühlstein. Die Weisheitszähne, die hintersten Molaren, kommen erst spät oder gar nicht; evolutionär sind sie ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen der Mensch härter kauen musste.

Zähne können aber noch mehr als beißen: Sie formen die Aussprache, denn Laute wie S und F entstehen an ihren Kanten. Und sie stützen Wangen und Lippen, weshalb fehlende Zähne ein Gesicht älter wirken lassen.

Erst Milchzähne, dann die bleibenden

Kinder bekommen 20 Milchzähne, die ab etwa dem sechsten Lebensmonat durchbrechen und ab dem sechsten Lebensjahr nach und nach ausfallen. Unter jedem von ihnen wartet schon der bleibende Nachfolger, der ihn von unten herausschiebt.

Das bleibende Gebiss umfasst 32 Zähne einschließlich der vier Weisheitszähne. Der Wechsel zieht sich bis etwa zum zwölften Lebensjahr, die Weisheitszähne lassen sich oft bis ins junge Erwachsenenalter Zeit. Milchzähne sind übrigens keine Wegwerfware: Sie halten den Platz für ihre Nachfolger frei und sind als Wegweiser für den Kiefer genauso wichtig wie die späteren Zähne.

Zwischen den Generationen gibt es einen entscheidenden Unterschied: Der Schmelz der Milchzähne ist dünner, weshalb Karies bei Kindern schneller vorankommt.

Zahnschmelz: hart, aber nicht unzerstörbar

Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper, härter als Knochen. Er besteht fast vollständig aus Mineralien, vor allem Hydroxylapatit, und schützt das empfindliche Dentin darunter vor Druck, Temperatur und Säuren.

Seine Schwäche: Er kann sich nicht erneuern. Schmelz enthält keine lebenden Zellen, was einmal abgetragen ist, bleibt weg. Abrieb durch Knirschen und Säuren aus Nahrung und Bakterien nagen langsam an ihm. Zucker füttert Mundbakterien, deren Säuren Mineralien aus dem Schmelz lösen; so entsteht Karies, die gesund.bund.de im ICD-Code K02 als Erkrankung des Zahnhartgewebes beschreibt.

Ist der Schmelz erst durchbrochen, arbeitet sich die Karies im weicheren Dentin deutlich schneller vor. Darum zählt bei Karies vor allem, wie früh sie entdeckt wird.

Pflege, die der Anatomie folgt

Gute Pflege respektiert den Aufbau des Zahns. Fluorid in der Zahnpasta hilft, Mineralien wieder in den Schmelz einzulagern, und stärkt ihn gegen Säuren. Die Zahnbürste erreicht die Zwischenräume schlecht, dort übernehmen Zahnseide oder Zwischenraumbürsten, denn genau in den Nischen beginnt Karies besonders gern.

Die gesund.bund.de gibt Hinweise zu Zahnvorsorge und Mundhygiene und erinnert an die regelmäßigen Kontrolltermine, bei denen auch der Zahnhalteapparat geprüft wird. Zweimal jährlich ist die übliche Orientierung für Erwachsene.

Nach Saurem wie Fruchtsaft oder Essig lohnt sich etwas Wartezeit mit dem Putzen: Die Säure weicht den Schmelz kurz an, und sofortiges Schrubben trägt dann mehr ab. Ein Schluck Wasser zwischendurch ist die einfachere Zwischenlösung.

Häufige Fragen

Wie viele Zähne hat ein erwachsener Mensch?

Das vollständige bleibende Gebiss besteht aus 32 Zähnen, einschließlich der vier Weisheitszähne. Viele Erwachsene haben weniger, weil Weisheitszähne nicht angelegt sind oder entfernt wurden. 28 Zähne ohne die Weisheitszähne sind ein ebenso normaler Befund.

Ist Zahnschmelz wirklich das Härteste im Körper?

Ja. Zahnschmelz besteht zu etwa 96 Prozent aus Mineralien und ist damit härter als Knochen und jedes andere Gewebe. Trotzdem ist er spröde wie Glas und kann bei harten Schlägen oder starkem Knirschen Risse bekommen.

Warum tut ein Loch im Zahn weh?

Solange die Karies nur den Schmelz betrifft, spürt man nichts, denn Schmelz hat keine Nerven. Erreicht sie das Dentin mit seinen feinen Kanälchen oder gar die Pulpa mit dem Zahnnerv, melden sich Ziehen und Schmerzen bei Süßem, Kaltem oder Druck.

Wann kommen die Weisheitszähne?

Meist zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr, bei manchen auch später oder nie. Nicht jeder Mensch hat alle vier angelegt. Ob sie bleiben dürfen, hängt davon ab, ob sie Platz haben und sich ordentlich putzen lassen.

Hinweis: Die Inhalte auf Blickly.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer an Ärztinnen, Ärzte oder andere qualifizierte Fachpersonen.