„Mir kommt die Galle hoch“ sagen wir, wenn uns etwas gehörig ärgert. Die Redewendung hat einen realen Kern: Galle schmeckt bitter. Nur hat der Ärger mit der Flüssigkeit selbst wenig zu tun. Die Galle ist ein Verdauungssaft, der still und zuverlässig dafür sorgt, dass das Fett aus dem Essen überhaupt verwertet werden kann.
Verwechselt wird sie gern mit der Gallenblase. Dabei ist die Blase nur der Speicher. Die Galle selbst ist die Flüssigkeit, und um die geht es hier.
Wo die Galle entsteht und woraus sie besteht
Gebildet wird die Galle in der Leber, und zwar in beachtlicher Menge: bis zu einem Liter fließt dort Tag für Tag zusammen. Was die Leber sonst noch alles an Aufgaben stemmt, steht in unserem Beitrag zur Funktion der Leber; die Gallenproduktion ist nur einer ihrer vielen Jobs.
Der Saft besteht zum größten Teil aus Wasser. Darin gelöst sind Gallensäuren, Cholesterin, der Farbstoff Bilirubin und Lecithin. Das Bilirubin stammt aus dem Abbau alter roter Blutkörperchen, es gibt der Galle ihre gelblich-grüne Farbe und später auch dem Stuhl seine braune Tönung.
Damit diese Mischung funktioniert, muss das Verhältnis der Bestandteile stimmen. Kippt es, wird das der Ausgangspunkt für Gallensteine. Dazu gleich mehr.
Der Weg der Galle: Speicher, Gang und ein Ventil
Zwischen den Mahlzeiten braucht der Darm keine Galle. Also leitet die Leber den Saft in die Gallenblase, ein birnenförmiges Säckchen an ihrer Unterseite. Dort wird die Flüssigkeit eingedickt und auf Vorrat gehalten.
Kommt nun fettes Essen im Zwölffingerdarm an, meldet der Darm Bedarf an. Die Gallenblase zieht sich zusammen und presst ihren Inhalt durch den Gallengang in den Darm. Ein kleiner Schließmuskel am Ende des Gangs regelt dabei wie ein Ventil, wie viel durchgelassen wird.
Der Kreislauf endet dort nicht. Die Gallensäuren werden weiter unten im Dünndarm zum größten Teil wieder ins Blut aufgenommen und zurück zur Leber transportiert. Der Körper recycelt sie mehrmals am Tag, statt sie jedes Mal neu herstellen zu müssen.
Was die Galle bei der Verdauung leistet
Fett und Wasser mögen sich nicht. Wer schon einmal versucht hat, Öl in einem Glas Wasser zu verrühren, kennt das Ergebnis: große Tropfen, die sofort wieder zusammenlaufen. Für die Verdauung ist das ein Problem, weil das fettspaltende Enzym Lipase nur an der Oberfläche der Tropfen arbeiten kann.
Die Gallensäuren lösen genau dieses Problem. Sie zerlegen große Fetttropfen in unzählige winzige Tröpfchen, eine Emulsion. Plötzlich ist die Angriffsfläche riesig, die Lipase kommt überall heran, und das Fett kann zerlegt und aufgenommen werden. Auf demselben Weg gelangen auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K in den Körper.
Nebenbei nutzt der Körper die Galle als Entsorgungsroute. Überschüssiges Cholesterin und das Bilirubin aus dem Blutabbau verlassen den Körper auf diesem Weg mit dem Stuhl.
Wenn das Gleichgewicht kippt: Gallensteine
Enthält die Galle im Verhältnis zu viel Cholesterin oder zu wenig Gallensäuren, kann das Cholesterin auskristallisieren. So entstehen Gallensteine, manchmal sandkorngroß, manchmal so groß wie eine Kirsche. Viele Menschen tragen solche Steine jahrelang mit sich herum, ohne je etwas zu bemerken.
Ärger gibt es, wenn ein Stein den Ausgang der Gallenblase blockiert. Dann entsteht die typische Gallenkolik: starke, wellenförmige Schmerzen im rechten Oberbauch, oft nach einer fettreichen Mahlzeit, manchmal mit Ausstrahlung in den Rücken oder die rechte Schulter, dazu Übelkeit. Wie gesund.bund.de zu Gallensteinen ausführt, hängt die Behandlung davon ab, ob und wie oft solche Beschwerden auftreten; stille Steine ohne Symptome werden in der Regel nur beobachtet.
Begünstigt werden Steine unter anderem durch weibliche Hormone, Übergewicht, höheres Lebensalter und eine familiäre Veranlagung. Auch starkes, schnelles Abnehmen kann die Steinbildung fördern, weil die Leber dann vermehrt Cholesterin in die Galle abgibt.
Leben ohne Gallenblase: was sich verändert
Ist die Gallenblase wegen wiederholter Koliken oder einer Entzündung entfernt worden, fehlt der Zwischenspeicher. Die Leber produziert die Galle aber weiter; sie tröpfelt nun gleichmäßig und verdünnt in den Darm, statt auf Abruf konzentriert anzukommen.
Die meisten Menschen kommen damit gut zurecht. In den ersten Wochen nach der Operation hilft es, fettige Speisen zu meiden und lieber mehrere kleine Mahlzeiten zu essen. Manche haben anfangs weicheren Stuhl oder Durchfall, was sich meist von selbst reguliert. Eine spezielle Diät für den Rest des Lebens ist in der Regel nicht nötig, und die Verdauung von Fett funktioniert auch ohne Blase, nur eben ohne Turbo.
Häufige Fragen
Sind Galle und Gallenblase dasselbe?
Nein. Die Galle ist die Verdauungsflüssigkeit, die Gallenblase das Organ, das sie speichert und bei Bedarf abgibt. Produziert wird die Galle in der Leber. Wenn jemand sagt, ihm sei „die Galle entfernt“ worden, ist fast immer die Gallenblase gemeint.
Warum wird der Stuhl bei Gallenproblemen hell?
Die braune Farbe des Stuhls stammt vom Bilirubin, das mit der Galle in den Darm gelangt. Kann die Galle nicht abfließen, etwa weil ein Stein den Gang verlegt, bleibt der Stuhl auffallend hell, während der Urin dunkel wird und sich Haut und Augen gelb färben können. Diese Gelbsucht ist ein Befund, der zeitnah in eine Arztpraxis gehört.
Kann man Gallensteine mit Medikamenten auflösen?
Nur unter engen Voraussetzungen: Die Steine müssen klein sein, aus Cholesterin bestehen und die Gallenblase muss noch arbeiten. Die Behandlung dauert Monate bis Jahre, und die Steine kommen häufig zurück. Deshalb ist die Entfernung der Gallenblase bei wiederkehrenden Beschwerden bis heute der übliche Weg; gesund.bund.de ordnet die Verfahren in der Beschreibung der Gallensteinbehandlung weiter ein.
Wie viel Galle produziert der Körper am Tag?
Bis zu einem Liter. Der größte Teil der darin enthaltenen Gallensäuren geht nicht verloren, sondern wird im Dünndarm zurückgewonnen und von der Leber erneut verwendet. Nur ein kleiner Anteil wird mit dem Stuhl ausgeschieden und muss neu gebildet werden.
Hinweis: Die Inhalte auf Blickly.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer an Ärztinnen, Ärzte oder andere qualifizierte Fachpersonen.

