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Körper und Anatomie

Milz: Das stille Filterorgan im linken Oberbauch

Milz im linken Oberbauch: Das faustgroße Organ liegt geschützt unter den Rippen neben dem Magen

Fragen Sie einmal herum, wer weiß, wo die Milz sitzt und was sie tut. Die meisten zucken mit den Schultern. Herz, Lunge und Leber kennt jeder, die Milz führt ein Schattendasein, dabei arbeitet sie rund um die Uhr an zwei Baustellen gleichzeitig: Sie sortiert altes Blut aus und hält die Immunabwehr auf Abruf bereit.

Spätestens wenn sie nach einem Unfall gerissen ist oder entfernt werden muss, rückt sie ins Bewusstsein. Dann stellen sich Fragen, auf die man gern vorher schon Antworten gehabt hätte.

Wo die Milz liegt und wie sie aussieht

Die Milz versteckt sich im linken Oberbauch, hinten unter dem Rippenbogen, direkt neben dem Magen und oberhalb der linken Niere. Die Rippen schützen das weiche Organ wie ein Käfig. Das ist auch nötig, denn die Milz ist stark durchblutet und entsprechend verletzlich.

Bei gesunden Erwachsenen ist sie ungefähr faustgroß, rund zehn bis elf Zentimeter lang und bringt etwa 150 Gramm auf die Waage. Ertasten lässt sie sich normalerweise nicht. Erst wenn sie deutlich anschwillt, kann eine Ärztin oder ein Arzt sie unter dem Rippenbogen fühlen.

Ihr Inneres besteht aus zwei Gewebearten mit getrennten Jobs. Die rote Pulpa ist das Filterwerk für das Blut, die weiße Pulpa beherbergt Abwehrzellen und gehört zum lymphatischen System.

Filtern, recyceln, verteidigen: die Aufgaben der Milz

Jeden Tag schickt der Körper rote Blutkörperchen in den Ruhestand. Nach etwa 120 Tagen sind sie ausgelaugt, und die Milz erkennt das. Ihre Fresszellen bauen die alten Zellen ab, das Eisen aus dem roten Blutfarbstoff wird nicht weggeworfen, sondern zurück in den Kreislauf gegeben und für neue Blutbildung verwendet.

Gleichzeitig hat die Milz ein wachsames Auge auf alles, was im Blut nichts zu suchen hat. Sie fischt Bakterien und andere Fremdstoffe aus dem Blutstrom, und ihre Abwehrzellen produzieren Antikörper gegen Eindringlinge. Besonders wichtig ist diese Filterfunktion bei bestimmten Bakterien mit einer schützenden Kapsel, die andere Abwehrmechanismen schlechter erkennen.

Ein dritter Job wird oft übersehen: Die Milz speichert Blutplättchen und einen Teil der weißen Blutkörperchen und gibt sie bei Bedarf ab. Sie ist also weniger ein einzelnes Werkzeug als eine kleine Werkstatt mit Lager.

Arbeitsteilung mit der Leber

Beim Blutfiltern ist die Milz nicht allein. Ihr engster Partner ist die Leber, in die das Blut aus dem Darm über die Pfortader fließt. Während die Leber vor allem Stoffe aus der Nahrung prüft, abbaut und umbaut, kümmert sich die Milz um die Zellen des Blutes selbst. In unserem Überblick zur Funktion der Leber wird diese Aufgabenteilung gut sichtbar: Zwei Organe, ein Kreislauf, klar verteilte Zuständigkeiten.

Diese Partnerschaft erklärt auch, warum die Leber nach einer Milzentfernung einen Teil der Filterarbeit übernehmen kann. Ganz ersetzen kann sie die Milz nicht, vor allem die Abwehr bestimmter Bakterien bleibt eine Schwachstelle.

Wenn die Milz zu viel tut: Vergrößerung und Hypersplenismus

Eine vergrößerte Milz ist keine Krankheit für sich, sondern ein Hinweis. Dahinter können Infektionen stecken wie das Pfeiffersche Drüsenfieber, aber auch Lebererkrankungen, bei denen sich Blut vor der Milz staut, oder Erkrankungen des Blutes selbst. Viele Betroffene spüren ein Druckgefühl im linken Oberbauch, manche sind schneller satt, weil die Milz auf den Magen drückt.

Problematisch wird es, wenn eine vergrößerte Milz übereifrig wird. Beim sogenannten Hypersplenismus baut sie nicht nur alte, sondern zu viele Blutzellen ab, auch gesunde. gesund.bund.de beschreibt in der Erläuterung zum ICD-Code D73.1, dass aus diesem übermäßigen Abbau eine Blutarmut, eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte und eine stärkere Blutungsneigung entstehen können. Behandelt wird dann vor allem die Grunderkrankung, nicht die Milz allein.

Leben ohne Milz: möglich, aber mit Regeln

Entfernt werden muss die Milz meist nach einem Riss, etwa durch einen Unfall, oder bei bestimmten Blut- und Tumorerkrankungen. Der Alltag funktioniert danach weitgehend normal. Nur die Abwehr hat eine Lücke, die man ernst nehmen muss.

Menschen ohne funktionierende Milz haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei Infektionen mit bekapselten Bakterien. gesund.bund.de weist in der Erläuterung zur Asplenie ausdrücklich auf dieses Risiko und auf die nötigen Impfungen hin. Empfohlen werden unter anderem Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ b sowie die jährliche Grippeimpfung, weil eine Influenza bakterielle Folgeinfektionen begünstigt.

Dazu kommt eine einfache, aber wichtige Regel: Fieber ist ohne Milz kein Bagatellsymptom. Wer betroffen ist, sollte frühzeitig eine Arztpraxis aufsuchen und dort auch von sich aus sagen, dass die Milz fehlt. Viele Betroffene tragen einen Notfallausweis bei sich, auf dem genau das vermerkt ist.

Häufige Fragen

Kann die Milz Schmerzen verursachen?

Ja, das ist möglich. Eine vergrößerte Milz kann ein dumpfes Druckgefühl oder Schmerzen im linken Oberbauch machen, die manchmal bis in die linke Schulter ziehen. Nach einem Unfall sind starke Schmerzen auf dieser Seite ein Warnzeichen für einen Milzriss und gehören sofort in die Notaufnahme.

Wächst die Milz nach einer Entfernung wieder nach?

Nein, das Organ selbst wächst nicht nach. Manche Menschen haben von Geburt an eine oder mehrere kleine Nebenmilzen, die nach der Operation etwas größer werden können und einen Teil der Filterarbeit übernehmen. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht.

Merkt man selbst, ob die Milz vergrößert ist?

Meistens nicht. Eine leicht vergrößerte Milz verursacht keine spürbaren Beschwerden und ist von außen nicht zu tasten. Auffällig wird sie oft zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums oder über veränderte Blutwerte.

Darf man ohne Milz ganz normal Sport machen?

Grundsätzlich ja. Nach der Heilungsphase spricht nichts gegen Sport, auch nicht gegen Ausdauersport. Sinnvoll ist vor allem, den Impfschutz aktuell zu halten und bei Infekten mit Fieber nicht auf eigene Faust abzuwarten, sondern früh ärztlichen Rat zu holen.

Hinweis: Die Inhalte auf Blickly.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer an Ärztinnen, Ärzte oder andere qualifizierte Fachpersonen.