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Schwangerschaft und Baby

Schwangerschaftsvergiftung: Warum Ärzte heute von Präeklampsie sprechen

Blutdruckmessung bei einer schwangeren Frau in der Frauenarztpraxis, schwangerschaftsvergiftung als Thema der Vorsorge

„Schwangerschaftsvergiftung“ klingt nach einem Gift im Körper, nach etwas, das man ausleiten müsste. Genau deshalb ist der Begriff irreführend, und die Medizin hat ihn weitgehend verabschiedet. Gemeint ist eine ernste Erkrankung der Schwangerschaft, die heute Präeklampsie heißt.

Vergiftet ist dabei niemand. Aus dem Takt geraten ist das Zusammenspiel von Plazenta, Blutgefäßen und Organen der Mutter. Wer die Warnzeichen kennt und die Vorsorgetermine wahrnimmt, hat die besten Chancen, dass die Erkrankung früh erkannt wird, bevor sie gefährlich wird.

Ein Wort aus einer anderen Zeit

Früher fasste man diese Erkrankungen unter dem Begriff Gestose zusammen, im Volksmund eben Schwangerschaftsvergiftung. Heute sprechen Fachleute von hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, also von Krankheiten, die mit erhöhtem Blutdruck in der Schwangerschaft einhergehen. Die Präeklampsie ist die bekannteste unter ihnen.

gesund.bund.de erklärt zur Schwangerschafts-Vergiftung unter dem ICD-Code O14, dass dabei neben dem hohen Blutdruck auch Organe wie Leber und Nieren beteiligt sein können und Flüssigkeitseinlagerungen auftreten.

Kennzeichen der Präeklampsie ist die Kombination aus neu aufgetretenem Bluthochdruck ab der zweiten Schwangerschaftshälfte und Eiweiß im Urin. Oft kommen Wassereinlagerungen an Händen, Füßen und im Gesicht dazu. In Europa sind etwa zwei Prozent aller Schwangerschaften betroffen, meist nach der 20. Woche.

Was im Körper aus dem Gleichgewicht gerät

Ganz geklärt ist die Ursache bis heute nicht. Im Zentrum steht die Plazenta: Sie wird nicht so durchblutet, wie sie sollte, und gibt Stoffe ins mütterliche Blut ab, die die Gefäße schädigen. Die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt, und verschiedene Organe bekommen zu wenig Blut.

Deshalb kann eine Präeklampsie so viele Gesichter haben. Die Nieren lassen Eiweiß durch, die Leber arbeitet schlechter, die Blutgerinnung verändert sich, und auch das Gehirn reagiert auf den Druck. Das Kind wird über die schlechter versorgte Plazenta unter Umständen nicht mehr optimal ernährt und wächst langsamer.

Warnzeichen, die keine Schwangere übergehen sollte

Tückisch ist, dass hoher Blutdruck sich oft überhaupt nicht bemerkbar macht. Warum Bluthochdruck so lange unbemerkt bleiben kann, erklärt unser Artikel zu seinen Symptomen ausführlich. Manche Anzeichen sollten Schwangere aber hellhörig machen.

Dazu gehören starke, anhaltende Kopfschmerzen, die auf übliche Mittel nicht ansprechen. Auch Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen, Lichtblitze oder verschwommenes Sehen sind Alarmsignale. Schmerzen im Oberbauch, besonders rechts unter den Rippen, deuten auf eine belastete Leber hin.

Plötzliche starke Schwellungen im Gesicht und an den Händen, eine rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen sowie Übelkeit und Erbrechen in der zweiten Schwangerschaftshälfte gehören ebenfalls in ärztliche Abklärung. Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig.

Die Vorsorge ist das Frühwarnsystem

Fast jede Präeklampsie kündigt sich in den Werten an, lange bevor Symptome auftreten. Genau deshalb wird bei jedem Vorsorgetermin der Blutdruck gemessen und der Urin auf Eiweiß untersucht. Diese unspektakulären zwei Minuten sind der wichtigste Schutz für Mutter und Kind.

Die familienplanung.de beschreibt die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft und weist darauf hin, dass ein hoher Blutdruck ab der 20. Woche ein Anzeichen für eine Präeklampsie sein kann und Eiweiß im Urin diesen Verdacht verstärkt.

Wer einen Termin verpasst hat, holt ihn also möglichst bald nach. Und wer zwischen den Terminen Beschwerden bemerkt, wartet nicht bis zum nächsten geplanten Besuch, sondern meldet sich direkt bei Praxis oder Hebamme.

Wer ein höheres Risiko trägt

Manche Frauen bringen ein erhöhtes Risiko mit. Dazu zählt eine Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, denn die Erkrankung kann wiederkehren. Auch wer schon vor der Schwangerschaft hohen Blutdruck, eine Nierenerkrankung oder Diabetes hatte, wird engmaschiger überwacht.

Erstgebärende sind häufiger betroffen als Frauen, die schon geboren haben. Mehrlingsschwangerschaften, deutliches Übergewicht und ein höheres Alter der Mutter erhöhen das Risiko ebenfalls. Nach den Informationen von familienplanung.de zu den Schwangerschaftswochen 21 bis 24 entwickelt sich bei zehn bis zwanzig Prozent der Frauen mit Präeklampsie zusätzlich ein HELLP-Syndrom.

Ein erhöhtes Risiko ist kein Grund zur Panik. Es bedeutet vor allem, dass das betreuende Team genauer hinschaut, den Blutdruck häufiger kontrolliert und bei Bedarf zusätzliche Untersuchungen veranlasst.

Eklampsie und HELLP: die schweren Verläufe

Bleibt eine Präeklampsie unerkannt oder verschärft sie sich, kann sie in eine Eklampsie übergehen. Dann kommen Krampfanfälle hinzu, ein lebensbedrohlicher Zustand für Mutter und Kind, der sofort intensivmedizinisch behandelt werden muss.

Beim HELLP-Syndrom geraten Leber und Blutgerinnung in Mitleidenschaft. Der Name setzt sich aus englischen Laborbefunden zusammen: Die roten Blutkörperchen zerfallen, die Leberwerte steigen, und die Blutplättchen, die für die Gerinnung wichtig sind, sinken ab. Oberbauchschmerzen sind hier ein typisches Warnsignal.

Beide Verläufe sind selten, aber sie sind der Grund, warum Fachleute bei Warnzeichen keine Zeit verlieren. In der Klinik zählen dann Stunden, nicht Tage.

Was nach der Diagnose in der Klinik passiert

Eine milde Präeklampsie wird zunächst engmaschig überwacht, mit regelmäßigen Blutdruckmessungen, Blut- und Urinkontrollen und Blick auf das Wachstum des Kindes. Oft ist eine stationäre Aufnahme sinnvoll, damit Veränderungen sofort auffallen.

Medikamente können den Blutdruck senken und Komplikationen vorbeugen, doch die eigentliche Ursache beseitigen sie nicht. Die einzige ursächliche Behandlung ist die Entbindung, weshalb das Team je nach Schwangerschaftswoche und Zustand abwägt, wie lange das Kind noch im Bauch bleiben kann. Dieser Zeitpunkt ist immer eine Einzelfallentscheidung.

Nach der Geburt ist die Sache nicht sofort erledigt. Der Blutdruck kann auch im Wochenbett noch ansteigen, weshalb Kontrollen nach der Entbindung dazugehören. Frauen, die eine Präeklampsie hatten, haben außerdem langfristig ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sollten ihren Blutdruck auch Jahre später im Blick behalten.

Häufige Fragen

Ab welcher Schwangerschaftswoche tritt eine Präeklampsie auf?

Meist nach der 20. Schwangerschaftswoche, häufig erst im letzten Drittel. In seltenen Fällen kann sie auch erst nach der Geburt im Wochenbett beginnen. Darum gehören Blutdruckkontrollen bis über die Entbindung hinaus zur Betreuung.

Kann man einer Schwangerschaftsvergiftung vorbeugen?

Einen sicheren Schutz gibt es nicht. Der wirksamste Beitrag ist die regelmäßige Vorsorge, weil sie erhöhte Werte früh sichtbar macht. Ob im Einzelfall eine vorbeugende medikamentöse Maßnahme sinnvoll ist, etwa bei hohem Risiko nach einer früheren Präeklampsie, entscheidet die betreuende Ärztin oder der Arzt.

Ist das Kind bei einer Präeklampsie in Gefahr?

Es kann betroffen sein, weil die Plazenta schlechter durchblutet wird und das Kind dann langsamer wächst. Deshalb wird sein Wachstum per Ultraschall und CTG überwacht. Früh erkannt und eng begleitet, kommen die meisten Kinder trotz der Erkrankung gesund zur Welt.

Kommt die Präeklampsie in der nächsten Schwangerschaft wieder?

Das Risiko ist nach einer durchgemachten Präeklampsie erhöht, aber keineswegs sicher. Viele Frauen haben in der Folgeschwangerschaft keine oder eine mildere Verlaufsform. Wichtig ist, die Vorgeschichte bei der ersten Vorsorge anzusprechen, damit die Betreuung von Anfang an angepasst wird.

Hinweis: Die Inhalte auf Blickly.de dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer an Ärztinnen, Ärzte oder andere qualifizierte Fachpersonen.